Papua, ein 6tägiger Abenteuertrip
Indonesien

Papua, ein 6tägiger Abenteuertrip

Nun stand mein Trip nach Papua an. Papua liegt im östlichsten Teil von Indonesien und zählt zu Westneuguinea.

Und so starteten der Schweizer und ich nach meinem Singapur Aufenthalt Richtung Papua. Wir trafen uns am Flughafen von Jakarta, Indonesien, wo wir 12 Stunden auf unseren Weiterflug nach Jayapura (Papua) warteten. In Jayapura kamen wir nach 6 Stunden Flug erschöpft an. Wir waren seit Jakarta weit und breit die einzigen Touristen und somit die einzig weißen Menschen.

Zuerst besorgten wir uns ein Flugticket (mit freier Platzwahl im Flugzeug) von Jayapura nach Wamena. Dies bekamen wir nur gegen Bargeld direkt am Flughafen und nur wenn noch ein Platz frei ist. Zwei Stunden hatten wir Zeit bis zum Abflug. In dieser Zeit mussten wir uns ein Taxi zur Polizeistation nehmen, um uns eine Reisegenehmigung für Wamena zu besorgen, von wo aus unser Trip starten sollte. Das war allerdings eine Polizeistation der etwas anderen Art.

Es handelte sich zwar um ein – für dortige Verhältnisse – großes Gebäude, aber es stand so gut wie leer. Wir suchten die ersten zehn Minuten nach einem Beamten, Polizisten oder sonst einer Person, die uns weiterhelfen konnte. Endlich war es geschafft und uns betreute der Polizeiinspektor höchst persönlich, in Jogginghose und Flip Flops. Neugierig wie ich bin, fragte ich ganz ungeniert nach, ob es bei ihnen keine Uniformen gäbe. Darauf meinte der Polizeiinspektor, dass er in seiner hohen Position so etwas nicht mehr bräuchte. Hätten wir das auch geklärt. 🙂 Unsere Reisegenehmigungen wurden abgestempelt und es ging zurück zum Flughafen.

Die Einheimischen in Papua

Es herrschte Chaos. Eine Schlange beim Check-In Schalter existierte nicht und es herrschte ein Gedränge und Geschubse und überall standen die Plastiktüten der Papuaner im Weg. Zwei Dinge, die mir gleich zu Beginn auffielen: Die Menschen hier sehen anders aus, riechen anders und verhalten sich anders.

Ihr Aussehen gleicht kleinen Trollen, die schwarz eingefärbt wurden und eine knollige Nase und mehr Speck an den Hüften haben. Ihr Geruch ist schwerer zu beschreiben, aber gleicht einem modrig altem Holzkasten und sie kauen ständig an kleinen Früchten – deren Inhalt ihren Mund rot färbt – und spuckten die Rest auf die Straße. Unser Flug hatte zwei Stunden Verspätung, da es mit der Zeit nicht so genau genommen wird.

Wir saßen endlich im Flieger und 45 Minuten später kamen wir in Wamena an, auf einem etwas ungewöhnlichem Flughafengelände. Wir stiegen aus dem kleinen Flieger, gingen runter auf die Wiese und zum nächsten Holztisch, um auf unser Gebäck zu warten. Mir kam der erste Dani entgegen. Das sind die Einheimischen, die sich die papuanische Tradition nicht nehmen lassen und nackt nur mit einem Penisfutteral (= Koteka, in deren Sprache) bekleidet sind. Wir ließen uns mit einem Fahrrad, auf dem vorne ein Sitz befestigt war, zum Hotel bringen.

Abends trafen wir uns mit einem Guide, der uns die nächsten sechs Tage begleitete. Kosman unser Guide, ist gute zehn Zentimeter kleiner als ich und wirkte zu Beginn etwas schüchtern. Er begrüßte uns mit einem Hände schütteln und einigen Berührungen am Arm, wie es hier so üblich ist.

Meine abenteuerliche Wanderung durch Papua

Am nächsten Tag ging es gleich in der Früh los. Wir brachten unser überflüssiges Gepäck in sein Haus und starteten von einem Marktplatz mit unserem Guide Kosman und einem Träger namens Jonas. Der Schweizer und ich trugen jeweils nur einen kleinen Rucksack, der bei mir schätzungsweise 8 Kilo ausmachte. Der Träger war dafür da, unser Essen, welches Kosman am Vorabend eingekauft hatte, für die kommenden sechs Tage, zu tragen.

Die erste Etappe fuhren wir mit dem „Public Car“. In dem Auto, das normalerweise für 8 Personen zugelassen ist, saßen sage und schreibe 18 Personen drin – und ein Schwein beglückte uns auch noch! Eine Fahrt, die ich sonst nur in schlechten Filmen sah. Nur das ich diesmal mitten drinnen saß. 😉 Nach 40 Minuten Fahrt und einem kleinen Zwischenstopp wegen eines Gebrechens am Fahrzeug ging die Wanderung los.

Wir wanderten durch zwei langgezogene Berghänge, das sogenannte „Baliem Tal“ mit Blick auf den breiten, reißenden Fluss, der Baliem River. Nur langsam kamen wir voran und bald realisierten wir wieso. Wir wanderten einen schmalen Pfad entlang, auf dem beide Füße nebeneinander keinen Platz hatten. Jeden einzelnen Schritt mussten wir zu 120 Prozent kontrolliert auf den Boden setzen, denn wenn wir eine Sekunde aufschauten und mit einem Fuß falsch auftreten, stürzt man einige hundert Meter in den Abgrund. Und so ging es Meter für Meter immer weiter den Berghang entlang.

Die Eigenheiten der Einheimischen

Unterwegs trafen wir immer wieder auf Einheimische. Wir merkten bald, dass es üblich ist, jedem dem man begegnet die Hand zu geben und eine Begrüßung – je nach Tageszeit – zu murmeln. Am Weg kamen wir bei einer Art Polizeistation vorbei, bei der wir unsere Reisegenehmigung und eine Packung Zigaretten dort ließen. Anhand des Buches, in das wir uns eintrugen, sah ich, dass in diese Gegend nur selten Touristen kamen.

Der Weg führte uns weiter, über eine Brücke auf die andere Seite des Flusses. Wir gingen einzeln, einer nach dem anderen über die Brücke, da von Stabilität der Brücke nichts zu sehen war. Wir gingen weiter, ein Fuß vor den anderen, vollste Konzentration, den Rucksack auf Rücken. Die Sonne brannte herunter, meine Gedanken fingen an zu schweifen. Nicht das du denkst, du bist auf einer langen Reise und vergisst die Menschen zu Hause. Nein, so ist es nicht. Man hat viel Zeit nachzudenken, seine Erfahrungen und Erlebnisse zu sortieren und nebenbei setzt man einen Fuß vor den anderen.

Am ersten Tag war ein etwas kürzerer Marsch geplant und wir hielten um die Mittagszeit in einem Dorf. Wir überquerten in den 6 Tagen insgesamt drei Brücken, die allesamt sehr instabil und nicht gerade vertrauenswürdig wirkten. Nach der letzten Brücke, erzählte uns unser Guide, dass von der Brücke nebenan – man konnte außer der beiden Pfeiler nichts mehr von der Brücke wahrnehmen – zwei Touristen mit ihrem Guide einbrachen und im Fluss ertranken.

Step by step durch Papua

Die 6 Tage verliefen so, dass wir in der Früh zu einer gemütlichen Zeit losmarschierten. Zum Mittagessen hielten wir am Fluss oder am Wegrand an und kochten. Danach ging es weiter zum nächsten Dorf, in dem wir übernachteten. Wir hatten Glück mit dem Wetter. Tagsüber hatten wir Sonnenschein und nur nachts regnete es. Desto mehr Vorsicht war geboten. Denn die Wege wurden somit noch gefährlicher, weil es rutschig war. Zum Glück hatte ich rutschfeste Traillaufschuhe.

Ein Dorf bestand aus 4 bis 7 Hütten die aus Bambus, Stroh und Holz gebaut wurden. Wir schliefen am Boden in unserem Schlafsack. Strom und fließendes Wasser gab es nicht. Es wurden Kerzen verwendet und Wasser vom Fluss geholt oder Regenwasser in Behältern gesammelt. Am Abend saßen wir mit den Einheimischen in ihren Küchen zusammen. Nein, nicht Küchen so wie wir sie kennen. Die Holzhütten waren so niedrig, dass ich mich beim Reingehen auf einen halben Meter bücken musste. Drinnen befand sich eine Feuerstelle, um die wir rund herum am Boden saßen, der mit trockenem Gras ausgelegt war.

Hier wurde gekocht und zusammen gesessen. Der Rauch, der sich in der Hütte entwickelte, konnte nicht – wie man es sonst annehmen würde – durch ein Loch oder einen Abzug abziehen. Nein, er blieb in der Hütte stehen und somit erklärte sich für mich eine andere Sache. Alle Menschen in den Dörfern hatten rinnende Nasen und eingetrockneter Rotz klebte ihnen über der Oberlippe. Durch diese starke Rauchentwicklung in den Hütten, fängt die Nase an zu rinnen und so etwas wie Taschentücher gibt es hier nicht.

In unseren Preisberechnungen war das Budget fürs Essen ziemlich hoch einkalkuliert und nach dem zweiten Tag wusste ich auch wieso. Wir zahlten den Menschen in dem jeweiligen Dorf, Geld für die Übernachtungen und fütterten täglich 4 bis 20 Leute beim Mittag- sowie Abendessen durch. Das Hauptnahrungsmittel besteht aus Kartoffeln und deswegen wurde der Reis, den wir mitbrachten in Unmengen gekocht.

Der Alltag der Einheimischen in Papua

Das Leben läuft in Papua wie folgt ab: Die Menschen stehen mit der Sonne auf und gehen mit der Sonne schlafen, eigentlich das natürlichste auf der Welt. Tagsüber kümmern sie sich um die Kartoffelernte, damit sie für den Abend etwas zu essen haben. Mehrmals im Monat müssen sie einen langen Weg in die Stadt Wamena zurücklegen, um dort ihre Ernte zu verkaufen und dafür andere Nahrungsmittel einzukaufen. Hier beginnt der Abend am früheren Nachmittag, was ich auch an der Begrüßung unterwegs merkte. Am Abend wird gekocht und somit ist ein Tag um. Waschtag ist jeden Sonntag. Am Fluss wird die Kleidung, die sie tagein tagaus tragen, gewaschen und sie selbst baden auch im Fluss.

Ein unangenehm stechender Geruch kommt mir oft entgegen, wenn ich mit den Einheimische in ihren Hütten sitze oder sie uns auf unserem Weg begegnen. Wenn wir in ein Dorf kommen sind wir der Mittelpunkt. Kinder und Erwachsene sitzen um uns herum oder starren uns an, beobachten uns oder begleiten uns ein Stück auf unserem Weg. Die Menschen werden nicht älter als 40 oder 50 Jahre und oft wissen sie ihr genaues Alter nicht. Durch viel gestikulieren versuchen wir mit den Einheimischen zu kommunizieren. Viele Menschen haben dieses herzhaft kindliche in sich und es ist schön mit ihnen gemeinsam zu lachen.

Die Traditionen der Papuaner

Oft zeigen einem die Frauen ihre Hand und wir sehen ein, zwei, drei oder vier abgeschnitten Finger oder ein zur Hälfte abgeschnittenes Ohr. Dies weißt darauf hin, dass ein Kind oder Verwandter ums Leben kam. Mit dem selbstständigen Abtrennen eines Fingers, bringen sie ihre Trauer zum Ausdruck.

Nach der ersten Zeit unserer Wanderung, klärte uns Kosman über die Holzhäuser mit Wellblechdach in Mitten der alten traditionellen Hütten auf. Die Missionare, die meistens von Europa hierher kommen und die Menschen in ihrem Glauben bekehren wollen, bringen die Leute so weit, dass sie Kirchen bauen und sich dem christlichen Glauben voll und ganz hingeben.

Wir haben einige Einheimische getroffen, die nach alter Tradition leben und außer eines Penisfutterals aus Holz, nichts tragen. Es gibt drei Arten von Kulturen um Papua: Die Dani, Yali und Lani. Desto weiter wir von Wamena wegkommen, desto ärmlicher sind die Menschen und desto längere und härtere Wege müssen die Dorfbewohner zurücklegen, um in die Stadt zu kommen. Es gehen alle barfuß und ihre Füße sind platt getreten und rissig.
Unser Träger ging die 6 Tage über auch barfuß und unser Guide Kosman bewältigte die schwierigen Pfade mit Flip Flops. Das Gepäck, das die beiden trugen, enthielt nur Nahrungsmittel und Kochutensilien. Sie selbst brauchten nichts, außer ihre Kleidung, die sie am Körper trugen und die sie Tag und Nacht an hatten, so wie alle anderen auch. Wir hatten einmal in den 6 Tagen die Möglichkeit, uns am Rande des dreckigen und kalten reißenden Baliem Flusses zu waschen. Das war absolut eine Erfahrung für sich.

 

Papua – fernab der westlichen Kultur

Ich saß oft beim Feuer in den Küchen und für den Bruchteil einer Sekunden realisierte ich, was rund um mich eigentlich alles passiert. Es wird alles so schnell zur Normalität und man nimmt Dinge, die einem im ersten Moment erschreckten, nicht mehr wirklich wahr. Soweit in eine fremde Kultur einzutauchen und hautnah mitzuerleben, wie die Menschen hier in Papua leben und wie sie täglich ums Überleben kämpfen, ist schwer zu verstehen. Es wird einige Zeit dauern, bis ich verarbeite, was ich hier erlebt und gesehen habe.

Nach meiner Rückkehr dieser Tour recherchierte ich im Internet über die Dani-Kultur in West-Papua. Da der Trip sehr spontan zustande kam, hatte ich vorab keine Zeit mich genauer zu informieren. Mir wurde erst richtig bewusst, wie wenige Touristen sich bis jetzt in diese Gegend wagten, um die traditionell gekleideten Dani-Völker zu sehen. Ein einzigartiges Erlebnis, dass ich als sehr wertvolle Erfahrung für mich mitnehme!

Bist du schon einmal in eine ganz anderen und dir fremde Kultur eingetaucht? 

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kein Kommentar

  1. P.

    … sehr eindrucksvoll und sicher ein Höhepunkte auf deiner Reise – dieses Stück Land mit seiner Kultur zu erleben und vor allem diese unsichere Verwaltung heil zu überstehen…
    Bin sehr beeindruckt von deinen Bildern zusammen mit Einheimischen
    P.

    7. Juni 2012 Antworten
    • chrisi88

      Ja das war sicher ein Hoehepunkt meiner Reise, lieber Papa! 🙂

      7. Juni 2012 Antworten
  2. Juli

    Hört sich nach einer wahnsinnig spannenden Erfahrung an!

    7. Juni 2012 Antworten
    • chrisi88

      Oh ja das war es! 🙂 Und es wird auf jeden Fall nicht der letzte Trip dieser Art gewesen sein.

      7. Juni 2012 Antworten
  3. urs

    wow, da wäre ich auch gerne dabei gewesen!! abenteuer! super bilder! 🙂
    urs

    10. Juni 2012 Antworten
    • chrisi88

      *haha* okay also dein Name steht fest, ich habs kapiert 😉 ja, ja da haettest du dabei sein sollen 😉 war ne einmalig erfahrung.

      10. Juni 2012 Antworten

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