Küstenwanderung am Trockenmauerweg auf Mallorca
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Küstenwanderung am Trockenmauerweg auf Mallorca

Einfach zwischendurch weg, raus aus der Stadt? Auf eine Insel, die gleich ums Eck liegt? Der Flug ist günstig und dauerte gute zwei Stunden. Ein spontaner Entschluss und es ging für eine Freundin und mich auf die größte Insel Spaniens, genauer gesagt nach Mallorca zur Küstenwanderung am Trockenmauerweg.

Flug von Wien nach Mallorca

Trockenmauerweg GR 221

Bei Mallorca dachte ich früher sofort an den berühmt berüchtigten Ballermann. Das Mallorca viel mehr zu bieten hat, ist nicht bei allen bekannt. So setzten wir uns zum Ziel, Mallorcas Küste genauer unter die Lupe zu nehmen. Wir entschieden uns für den Trockenmauerweg oder als „GR 221“ beschildert. Der Trockenmauerweg ist ein Fernwanderweg, der an einer Trockensteinmauer und zum größten Teil an der Küste entlangführt.

Ankunft in Palma de Mallorca

Wir landeten gegen Abend in Palma am Flughafen und nahmen einen Bus Richtung unseres Hostels. Wir kamen in unserem Hostel an und bis sich die Rezeptionsdame an ihren Arbeitsplatz bemühte, brauchte es seine Zeit. Bald war klar, dass unsere Buchung für diese Nacht nicht in deren System eingegangen war. Sie hatte keine große Lust, sich um uns als Kunden zu bemühen. Sie schaffte es gerade noch, uns die letzten zwei freien Betten zur Verfügung zu stellen.

Wir nahmen also was wir kriegen konnten, da wir gleich am nächsten Morgen mit unserer Wanderung starten wollten. Schlussendlich landeten wir in einem 20-Bett-Zimmer. Mein Bett war direkt gegenüber der Schlafsaal-Türe, die alle paar Minuten laut auf- und zuknallte. Wenn mal ein paar Minuten Ruhe war, leuchtete das grün, weiße „Exit-Schild“ direkt in mein Gesicht. Der Geruch in dem Raum hätte besser sein können, aber bei einem voll besetzen Schlafsaal, ist ein strengerer Duft nicht verwunderlich. Somit war meine erste Nacht auf Mallorca schlaflos.

Von Palma nach Valldemossa und weiter nach Deià

Am nächsten Morgen war ich grantig, da ich in der Nacht kaum ein Auge zumachte. Trotz allem war ich voller Vorfreude, auf den uns bevorstehenden Trockenmauerweg. Wir fuhren mit dem Bus eine halbe Stunde von Palma nach Valldemossa, von wo aus unsere Küstenwanderung startete. Valldemossa liegt im Nordwesten der Insel in der Region Serra de Tramuntana. Ich hatte mir für diese Wanderung extra einen kleineren Rucksack, sowie Wanderstöcke und eine Trinkblase zugelegt.

Diese Etappe des Trockenmauerweges umfasste 13,3 Kilometer und wir brauchten fünf Stunden. Der Weg war schön und wir sahen immer wieder die Trockenmauer neben dem Weg. Die Landschaft veränderte sich im Laufe des Weges. Angefangen von einem Waldweg, über eine Steppen-Landschaft bis hin zu felsigen Wegen war alles dabei. Am höchsten Punkt dieser Tagesetappe, genossen wir eine großartige Aussicht auf einen Teil der Küste und das azurblaue Meer erstreckte sich dahinter ins Unendliche. Unsere Mittagspause verbrachten wir unter einem schattigen Baum mit toller Aussicht. Wichtig war, eine Kappe aufzuhaben, da die Sonne oben auf den Bergen viel Kraft hat und ich einen Sonnenstich vermeiden wollte. Der Abstieg dieser Etappe war sehr steil. Von einer Höhe von 908 Metern ging es auf 160 Meter hinunter bis zu dem Örtchen Deiá, wo wir im Refugi Can Boi unterkamen. Deià ist ein kleiner, idyllischer Ort umringt von Gebirge. Es gibt ein paar wenige Lokalitäten, eine Apotheke und einen kleinen Supermarkt. Vor dem Abendessen im Refugi, gönnte ich mir einen Mango Lassi in einem kleinen, süßen Lokal names S’Hortet.

Am Trockenmauerweg von Deià nach Sóller

Der zweite Tag unserer Küstenwanderung war um einiges gemütlicher. Bei 13,3 Kilometern brauchten wir 4 Stunden und der Weg führte uns zum größten Teil durch Oliven- und Orangenhaine. Ich hatte mich bei dieser Küstenwanderung für meine guten, alten Traillaufschuhe entschieden, die mir wie immer gute Dienste leisteten.

In Sóller angekommen, checkten wir mit einigen Komplikationen in unsere Unterkunft, direkt im Stadtinneren, ein. Sóller ist eine belebte, größere Stadt. Kurz darauf machten wir uns auf dem Weg zum Strand, oder Port de Sóller genannt. Was uns dort erwartete, damit hatten wir nicht gerechnet. Kurz nachdem wir es uns am Strand gemütlich machten und vom Schwimmen zurück waren, wurde es lauter und lauter.

Piratenangriff auf Sóller

Von weitem sahen wir Menschenmassen verkleidet als Piraten auf den Hafen zukommen. Mit Schrotflinten in der Hand und schwarz bemahlt, wurde unaufhörlich in die Luft geschossen. Vom Meer aus kamen mehr und mehr Piratenschiffe auf den Hafen zu und feuerten, bunte und laute Patronen Richtung Land.

Am 15. Mai ist der Haupttag der Fiesta „Moros y Cristianos“ und somit der Tag der großen Schlacht. Es ist das wichtigste historische Fest der Stadt. Die Einwohner Sóllers feiern den Sieg über die algerischen Invasoren. An diesem Tag spielen alle Einwohner der Stadt und Umgebung wortwörtlich einen Kampf nach. Die Piraten versuchen mit ihren Schiffen an Land zu kommen, sie werden aber zurückgeschlagen. Schließlich gelang es den Mauren an Land zu kommen und ab diesem Zeitpunkt beginnen die Kämpfe. Das Getümmel wurde lauter und lauter und die Menschenmassen wurden immer mehr. Die Kämpfe verlagerten sich vom Hafen in die Stadt, wo später der Sieg verkündet wird.

Port de Sóller

Das Spektakel dauerte von 15 bis 22 Uhr und die Kämpfe waren durch die unaufhörlich Schüsse mit den Schrotflinten ohrenbetäubend. Auch wir als Touristen blieben nicht verschont und bekamen zumindest eine Gesichtsbemalung. Die Einwohner sind mit schwarzer Schuhcreme bemalt und lassen niemanden ohne Gesichtsbemalung entkommen. So schnell konnten wir gar nicht schauen, kam einer von hinten und zack, hatten wir beide dicke schwarze Striche quer übers Gesicht. Es war verrückt anzusehen, wie detailgetreu der Kampf von damals nachgestellt wurde.

Die 9-stündige Tageswanderung

Am nächsten Tag ging es früh morgens los, da uns die längste Etappe bevorstand. Von Sóller ging es über Zitronenplantagen nach Biniaraix. Von dort aus führte ein Pflasterweg durch eine Schlucht. Es ist ein langer und anstrengender Anstieg, aber unsere Wanderstöcke erleichterten uns diesen um einiges. Auf dem gesamten Weg durch die Schlucht war kaum ein Schattenplätzchen zu entdecken. Immer wieder trafen wir auf unserem Weg die Leute von der Unterkunft oder von den Wanderungen der Tage zuvor. Es waren wenige Leute unterwegs und jeder war bei der brennenden Hitze auf sich konzentriert. Ganz oben, belohnte uns der anstrengende Weg mit dem Ausblick auf die höchsten Gipfel Mallorcas und über den Stausee Cúber. Wir waren am Ende mit unseren Kräften und brauchten dringend eine Pause. Bei der Mittagspause zuvor, hatte uns eine Kuh von unserem Schattenplätzchen vertrieben und mir mein Mittagessen weg gegessen. Ich hatte einen riesigen Hunger, fühlte mich schwach und brauchte dringend Schatten. Kurz nachdem wir den Abstieg begonnen hatten, fanden wir ein bescheidenes Plätzchen im Schatten und machten eine Pause auf felsigem Untergrund. Ich stärkte mich mit meinen letzten zwei Energieriegeln und versuchte zu dösen um Kraft zu tanken. Nach der Erholungspause, setzten wir die Wanderung fort bis wir am späten Nachmittag im Refugi Tossal Verds ankamen.
Auf der gesamten Wanderung übernachteten wir großteils in Refugis. Ein Refugi ist eine Art Berghütte aus Steinmauern. Die Anlaufstelle für alle Wanderer. Es gibt große Schlafsäle und für jedes Geschlecht einen Waschraum und Klos. Abendessen gibt es meistens um 20 Uhr. Es bekommen alle die gleiche Mahlzeit und wir sitzen auf größeren Tischen zusammen. Viele der Wanderer kannten wir  von den Tagen zuvor und trafen wir immer wieder auf dem Weg. Bettruhe ist gegen 22 oder 23 Uhr.

Die Wander-Etappe getrennt voneinander

Leider hatte ich seit dem zweiten Tag unserer Wanderung auf dem Trockenmauerweg starke Knieschmerzen und sie wurden nicht besser. Ich beschloss meine Knie zu schonen und meine Reisepartnerin und ich trennten uns für diesen Tag voneinander. Sie ging den üblichen Weg von unserem Refugi nach Lluc. Ich nahm eine leichte und kurze Etappe zum Stausee Cúber, um dort den Bus nach Lluc zu nehmen. Diese kurze Etappe dauerte eine gute Stunde bis eineinhalb Stunden. Der Bus von Cúber zum Kloster Lluc fährt nur zweimal täglich und so versuchte ich mein Glück mit Autostoppen. Autostoppen hatte ich auf meiner Weltreise in Neusseeland ausprobiert, aber nicht alleine. Diesmal war ich bereit, mich dieser Herausforderung alleine zu stellen. Trotz mulmigem Gefühl, wollte ich aus meiner Komfortzone heraustreten. Ich positionierte mich so, dass die Autos ohne Probleme jederzeit stehen bleiben konnten. Ich stellte meinen Rucksack auf den Boden, streckte den Arm aus und hielt den Daumen nach oben. Es dauerte länger als angenommen. Es fuhren viele Autos vorbei, daran lag es nicht, aber niemand hielt an. Ich war am Verzweifeln und mein Magen meldete sich laut zu Wort. Ich brauchte eine dreiviertel Stunde Geduld, bis endlich ein Auto anhielt. Ein nettes Pärchen aus Österreich hielt an und sie nahmen mich bis zum Kloster Lluc mit. In dem Refugi Son Amer in dem wir unterkamen, trafen wir auf bereits bekannte Gesichter, mit denen wir gemeinsam den Abend verbrachten.

Die letzten Tage auf Mallorca

Die letzte Etappe des Trockenmauerweges sparten wir uns und fuhren mit dem Bus von Lluc nach Alcúdia. Die letzten zwei Tage stand relaxen oben auf unserer To-do-Liste. Am ersten Tag gingen wir von unserer Unterkunft wenige Minuten zum Strand und bewegten uns für den restlichen Tag nicht mehr. Das Apartamentos Ferrer Tamarindos kann ich weiterempfehlen. Tolle Lage, sauber, freundliches Personal und gutes Preis-Leistungsverhältnis. Der einzige Negativpunkt war, dass das WLAN sehr langsam war oder gar nicht funktionierte. Abends machten wir das Nachtleben unsicher. An unserem zweiten Strandtag nahmen wir den Bus nach Can Picafort. Von dort spazierten wir für den Rest des Tages gemütlich 11 Kilometer am Strand entlang, zurück nach Alcúdia. Was ich am Strand immer mithabe, ist mein Drybag, um meine Wertgegenstände von Sand und Wasser zu schützen. Am nächsten Tag gingen wir nochmal für ein paar Stunden an den Strand, bis abends unser Flieger von Palma zurück nach Wien ging.

Diese einwöchige Mallorca-Reise kostet mich knapp EUR 600,-. Davon waren EUR 105,- für den Flug und der Rest ging für Unterkünfte und Essen drauf.

Warst du schon einmal auf dem Trockenmauerweg oder hast eine ähnliche  Küstenwanderung gemacht? Ich bin gespannt auf deine Erfahrungen. 

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